Wie war das noch mal...?

Grundsätzliches zu einem guten Versicherungskonzept 

Mit der Transport-, der Verkehrshaftungs- und der Betriebshaftpflichtversicherung (BHV) gibt es eine Reihe von Versicherungen für Spediteure und Transportunternehmen. Oftmals stellt sich erst nach einem Schadenfall heraus, ob ein Unternehmen richtig und ausreichend versichert ist. Ein Interview mit Herrn Axel Reis, geschäftsführender Gesellschafter der GIAC GmbH und Experte im Bereich des Versicherungsschutzes von mittelständisch geprägten Spediteuren, Logistikern, Lagerhaltern oder Frachtführern gibt Antworten auf die wesentlichen Fragen.

Herr Reis, was sind die wesentlichen Unterschiede bei diesen Versicherungen?

Der wesentlichste Unterschied ist, dass die Transport- und Verkehrshaftungsversicherung sich auf die Ware und deren Transport bezieht; die BHV grundsätzlich keinen Versicherungsschutz für die Ware bereithält.
Die BHV (i.d.R. wird die BHV zusammen mit der Produkt-HV, einer Umwelt-HV und einer Umweltschaden-HV kombiniert) versichert die gesetzliche Haftpflicht privatrechtlichen Inhalts des Versicherungsnehmers (VN) und seiner Betriebsangehörigen aus der Ausübung seiner Tätigkeit als Spediteur, Logistiker, Lagerhalter oder Frachtführer. Eine komplette und umfassende Tätigkeitsbeschreibung ist wesentlich für diesen Deckungsschutz!
Die Transportversicherung deckt das Interesse an der Ware selbst und wird i.d.R. vom Versender, Empfänger oder vom Erstspediteur abgeschlossen.
Die Verkehrshaftungsversicherung versichert die Haftung, die sich aus den einzelnen Verkehrsverträgen des Versicherungsnehmers als Spediteur, Logistiker, Lagerhalter oder Frachtführer ableitet.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Spediteur, Logistiker, Lagerhalter oder Frachtführer zumindest die BHV und Verkehrshaftungsversicherung zwingend benötigt (u.a. besteht eine gesetzliche Verpflichtung!), da sich die Höhe seiner Haftung nicht oder nur schwer kalkulieren lässt und er ohne eine entsprechende Deckung ein sehr hohes, bisweilen existenzielles, unternehmerisches Risiko trägt.

Wie sieht aus Ihrer Sicht ein gutes Versicherungsmanagement / Versicherungskonzept aus?

Zu aller erst ist eine weitreichende Risikoanalyse zu erstellen. Daraus leitet sich dann das Versicherungskonzept ab. Grundsätzlich muss nicht jedes Risiko versicherungstechnisch gelöst werden; jedoch sollte bei den existenziellen Risiken keine Experimente gemacht werden.

Welche Angaben sollte der Spediteur oder das Transportunternehmen pro-aktiv seinem Versicherungsmakler bzw. seinem Versicherungsvertreter geben, um nicht erst im Schadenfall zu erfahren, dass seine Deckung unzureichend war?

Der Versicherungsnehmer sollte sich mindestens einmal pro Jahr mit seinem Makler/Agent zusammensetzen, um sich umfassend miteinander auszutauschen. Nur in einem Gespräch ist es m.E. möglich, die wichtigen Informationen bzw. Veränderungen aufzunehmen, zu erörtern und in den passenden Risikoschutz einfließen zu lassen. Das lehrt mich meine über 25-jährige Erfahrung stehts aufs Neue!

Im Übrigen ist der Makler dazu sogar verpflichtet, sich in regelmäßigen Abständen bei seinen Kunden zu melden und die Veränderungen abzufragen (è Holschuld).

Lieber Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter? Wo liegen die Unterschiede?

Natürlich Versicherungsmakler! Der Makler ist als Treuhänder seiner Kunden rein rechtlich immer auf der Seite der Versicherungsnehmer. Außerdem hat er eine deutlich größere Markttransparenz und mehrere Versicherer zur Auswahl.
Der Vertreter/Agent steht immer auf Seite des Versicherers und darf auch nur in dessen Namen dessen Produkte vermitteln.

Was macht einen guten Versicherungsmakler bzw. -vertreter aus?

Das er das vor genannte beherzigt, serviceorientierte Dienstleistung beherrscht und diese mit Begeisterung, Leidenschaft und Engagement im Sinne seiner Kunden umsetzt!

Nachfolgend einmal drei typische Praxisbeispiele. Was sind hier aus der Sicht eines Versicherers die wesentlichen Aspekte?

Der Lkw – Fahrer lädt sich die Ware auf der Rampe des Versenders selbst in den Lkw. Dabei verursacht er an Ware und dem Flurfördergerät des Versenders einen Schaden.

Wurde der Fahrer dazu vom Versender angewiesen, ohne dass dies ausdrücklich zu seinen Aufgaben qua Verkehrsvertrag zählte, so ist er Erfüllungsgehilfe des Versenders und beide Schäden gehen zu Lasten des Versenders. Handelt der Fahrer eigenständig oder ist dessen Mitarbeit im Verkehrsvertrag vereinbart, so haftet der Spediteur gegenüber seinem Versender. D.h. der Warenschaden wird über die Verkehrshaftungsversicherung, evtl. sogar über eine bestehende Transportversicherung abgewickelt und der Schaden am Flurfördergerät über die BHV. Je nach Deckungsschutz des einzelnen Vertrags leistet der Versicherer oder auch nicht. Eine Haftung besteht nach Gesetz in jedem Fall!
Insbesondere der Schaden am Flurfördergerät ist nur mit einer speziellen BHV-Klausel versicherbar.

Der Lkw – Fahrer lädt sich die Ware auf der Rampe des Versenders selbst in den Lkw. Während der Fahrt wird die Ware aufgrund ungenügender Ladungssicherung beschädigt.

Analog zum ersten Fallbeispiel, wobei hier nur die Verkehrshaftungsversicherung bzw. Transportversicherung betroffen ist.

Eine Spedition setzt Sub-Unternehmer ein. Die Sub-Unternehmer stellen allerdings nur die Zugmaschinen. Die Auflieger werden von der Spedition selbst zur Verfügung gestellt. Am Auflieger wird durch einen Sub-Unternehmer ein Schaden verursacht.

Aus diesem Fall könnte ein sehr komplexer Schaden entwickelt werden. Halten wir es zunächst einfach:
Sofern keine weiteren vertraglichen Vereinbarungen zwischen Spediteur und Sub-Unternehmer (SUB) bestehen, haftet der SUB für den entstandenen Schaden. Allerdings wird weder die BHV (
è KFZ-Ausschluss) des SUB noch dessen KFZ-Haftpflichtversicherung (KH) den Schaden übernehmen (è der Auflieger bildet eine Einheit mit der SZM). D.h. der SUB zahlt den Schaden aus der eigenen Tasche!

Falls die Spedition für diesen Auflieger eine Kasko-Versicherung abgeschlossen hat, könnte diese herangezogen werden (SB-Höhe und Schadenereignis beachten!). Versicherungsschutz setzt voraus, dass dem Versicherer bekannt ist, dass der Auflieger regelmäßig an SUBs verliehen oder vermietet wird.

Falls der Verkehrsvertrag des SUB auf die Abholung des kompletten Aufliegers abstellt, wird der Auflieger als „Verpackung“ betrachtete und gilt über die Verkehrshaftungsversicherung des SUB unter der Voraussetzung mitversichert, dass er für derlei Fälle eine spezielle Klausel im Versicherungsvertrag vereinbart hat.

Ohne weitergehende Vereinbarungen sollten sich beide Vertragsparteien nicht auf dieses Fallbeispiel einlassen, denn der Ärger und finanzielle Schaden für einen der Partner ist vorprogrammiert. Der/die betroffenen Versicherer können in diesem Fall wenig zur Regulierung beitragen.

Vielen Dank für die Einordnungen, Herr Reis.

Herr Axel Reis, Gesellschafter-Geschäftsführer der GIAC GmbH, ist nach einer abgeschlossenen Ausbildung zum Versicherungskaufmann und einem darauf aufbauenden Studium (Versicherungswesen) seit 1992 uneingeschränkt als Versicherungsmakler tätig und seit dem Jahr 2000 in verschiedenen Führungspositionen.
Nach der Transportrechtsreform 1998 befasste sich Herr Reis schwerpunktmäßig mit dem Versicherungsschutz von mittelständisch geprägten Spediteuren, Logistikern, Lagerhaltern oder Frachtführern.
Die GIAC GmbH als Teil der in Hamburg beheimateten SIEVEKING-Gruppe greift in der Transport- und Verkehrshaftungsversicherung gerne auf den „hauseigenen“ Assekuradeur SIEVEKING & EWALD zurück, der bei der Eindeckung einzelnen Risiken sowie insbesondere bei der Bearbeitung von Schäden rechtssicher Unterstützung leistet. Ein wesentlicher Vorteil in einem sich ständig ändernden Marktumfeld.

Weitergehende Informationen erhalten Sie unter www.sieveking.de