Einen Schritt zurücktreten, um vorwärts zu kommen

Kennen Sie das Erfolgsgeheimnis von Spitzensportlern? Es sind die Pausen. Pausen sind das allerwichtigste Mittel dazu, dass sich der Körper anpassen kann auf ein höheres Leistungsniveau. Vorausgesetzt natürlich, der Körper war zuvor einem Belastungsreiz ausgesetzt. Derjenige, der immer weiter trainiert und/oder Wettkämpfe bestreitet kommt irgendwann an den Punkt des Übertrainings. Ab diesem Punkt führt jede weitere Belastung zwangsläufig in eine Leistungsverschlechterung.

Im Job verhält es sich genauso. Hier handelt es sich in den meisten Fällen nicht um eine körperliche Belastung sondern um eine geistige. Denken Sie darüber nach: Wie oft nehmen Sie Abstand vom operativen Geschäft und sich Zeit über Ziele nachzudenken und Strategien, um diese Ziele zu erreichen? Ich habe einfach keine Zeit dazu, ist meistens die Antwort auf diese Frage. Das Tagesgeschäft. Sie wissen ja….

Fragen Sie sich ehrlich: Warum haben Sie keine Zeit?

Loslassen

Liegt eine Ursache möglicherweise darin, nicht vom Tagesgeschäft loslassen zu können? Optimierung von Prozessen, Steigerung der Effizienz, Kostensenkung. In unserem Blog-Artikel „Ergebnis vor Aktivität“ können Sie noch einmal unsere Gedanken zur „Aktivitätenfalle“ lesen, die uns schnell im Mikromanagement gefangen hält.

Übertriebene Beschäftigung mit Details. Genaue Vorgaben an die Mitarbeiter, was und wie etwas zu tun ist. Kontrolle. Überlegen Sie für sich: zu wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit beschäftigen Sie sich mit dem operativen Tagesgeschäft? Wenn es „brennt“, überspringen Sie dann auch mal Hierarchiestufen und geben Anweisungen über den Kopf Ihrer Führungsmitarbeiter hinweg, um „präsent“ zu sein? Haben Sie nur in den Momenten das Gefühl, Leistung zu erbringen, wenn Sie die dringlichen Angelegenheiten geregelt bekommen?

Nicht nur, dass die Möglichkeit unglaublich hoch ist, dass Sie Ihre Mitarbeiter damit ungemein demotivieren können. Sie verschenken damit das wertvollste, was Sie zur Verfügung haben: Ihre Zeit.

Zeit, um Chancen zu suchen: Meistens entwickeln sich im Laufe der Zeit unvorhergesehene Dinge. Vor allem die positiven Abweichungen sollten man gezielt wahrnehmen.Zeit, Ihre Engpässe zu identifizieren und Lösungen dafür zu suchen. Zeit, möglicherweise nach neuen Formen der internen Zusammenarbeit zu suchen oder vielleicht ein neues Geschäftsmodell zu identifizieren.

Warum können wir nicht loslassen?

Morgens nach dem Aufstehen: erstmal E-Mails checken, ob etwas Besonderes vorgefallen ist. Sind alle Aufgaben erledigt worden, die ich gestern erteilt habe? Am Arbeitsplatz dann schnell einen Blick ins Speditionsprogramm. Laufen die Lkw? Ist auch alles so disponiert worden, wie ich mir das vorstelle? Ist der Hof auch sauber gekehrt?

Wir mögen es, auf dem ersten Blick, alles unter Kontrolle zu haben. Wir kennen uns aus, sind Experten auf unserem Gebiet. Natürlich sind wir das, sonst würde es das Unternehmen in der Form nicht schon so lange geben. Wir wissen genau wie etwas zu tun ist und bewegen uns auf sicherem Terrain. Dabei vergessen wir oft, dass Kontrolle keine wertschöpfende Tätigkeit ist. Ganz im Gegenteil. Oft belastet es auch unser Unternehmen oder unsere Mitarbeiter, denen wir kein völlig selbständiges Arbeiten zutrauen. Am Ende der Kette ergeben sich dann meistens die ebenfalls völlig unproduktiven Diskussionen darüber, warum wer was nicht erledigt hat. Angst vor Kontrollverlust. Können wir deshalb nicht loslassen?

Und natürlich mögen wir auch das gute Gefühl, vielbeschäftigt und als Experte gefragt zu werden. Wenn man ehrlich zu sich ist, schmeichelt es doch einem, wenn Mitarbeiter mit einem Problem kommen und man ist offensichtlich der einzige, der die Lösung dazu bieten kann. Es ist nur so, dass man so ein Verhalten (zum Chef gehen, fragen, Lösung abholen, weitermachen) einer Organisation antrainieren kann. Und dann sind Sie als Chef irgendwann der Flaschenhals Ihrer eigenen Organisation ohne den nichts mehr weitergeht. Und der sich trügerischer weise mit einem guten Gefühl etwas Konkretes geleistet zu haben nachmittags nach 12 Stunden mit einem „Uff“ auf den Stuhl fallen lässt und zu sich sagt: heute haben wir viel geschafft. Haben Sie das wirklich?

Ist es nicht sinnvoll, den Expertenstatus regelmäßig einmal beiseite zu legen, vom Tagesgeschäft loszulassen und die damit gewonnene Zeit zu nutzen? Zum Nachdenken über neue Geschäftsmodelle, Ziele, Strategien oder über Engpässe. Die eigenen oder auch die Ihrer Kunden.

Oder auch ganz einfach, um naive Fragen und vorgefasste Annahmen in Frage stellen. Der Autor Warren Berger erzählt in seinem Buch „Die Kunst des klugen Fragens“ die Geschichte von Edwin Land und seiner frühreifen 3-jährigen Tochter Jennifer. Land machte im Jahr 1943 Ferien mit seiner Familie und ein paar Fotos von seiner Tochter. Damals musste der Film noch in einer Dunkelkammer entwickelt werden. Jennifer wusste das jedoch nicht und fragte ihren Vater: Warum können wir uns das Bild nicht jetzt gleich anschauen? Ein paar Jahre später und nachdem Edwin Land sich gefragt hatte: Was wäre, wenn man irgendwie eine Dunkelkammer in einer Kamera haben könnte, präsentierte er der Welt die erste Polaroid Sofortbildkamera.

Auf Distanz gehen zur täglichen Hektik, Annahmen in Frage stellen, einen Schritt zurücktreten, um vorwärts zu kommen.

Schreiben Sie uns gerne Ihre Erfahrungen und Ideen zu diesem Thema an  Wir freuen uns über Ihr Feedback.

Timo Achenbach

TransportController GmbH